Ãber Gezeiten, Wasserstandsvorhersagen und Sturmflutwarnungen
Dr. Sylvin H. Müller-Navarra
Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie
Raum: H 0.03 / Zeit: 17:00 - 17:30
Raum: H 0.03 / Zeit: 18:30 - 19:00
'Immer eine handbreit Wasser unterm Kiel' ist für die Seeschifffahrt und auch für die maritime Wirtschaft ganz allgemein eine notwendige Voraussetzung. Dafür muss man die aktuelle Wasserspiegellage kennen und ihre weitere Entwicklung über die nächsten Tage vorhersagen.
Der Gezeitenanteil am Wasserstand, also die astronomischen Beiträge, lassen sich schon mehrere Jahre mit speziellen Verfahren im Voraus berechnen. Der Differenzbetrag zwischen gemessenem, meteorologisch beeinflussten Wasserstand und Gezeiten heiÃt Windstau. Dieser vornehmlich wetterbedingte Anteil am Wasserstand ist hingegen nur wenige Tage vorhersagbar. Der Windstau an den deutschen Küstenpegeln ist übrigens eine interessante ProxygröÃe z. B. für die Leistungsabgabe der Offshore-Windenergieanlagen in der Deutschen Bucht.
Die Vorhersageverfahren für den Windstau haben sich in den letzten Jahrzehnten stark gewandelt. Die interessanteste Ãnderung ist die Differenzierung nach Vorlaufzeit oder Vorhersagehorizont. Das ist die Zeit, die zwischen dem Zeitpunkt der Produktion der Vorhersage und dem Zielzeitpunkt des Ereignisses, also dem Erreichen des Sturmflutscheitels verstreichen wird. Im Vortrag wird diskutiert, welche Verfahren und deren Kombinationen für die unterschiedlichen Anteile und Vorlaufzeiten geeignet sind.
Treten auflandige Stürme in der Deutschen Bucht auf, kann es an der deutschen Nordseeküste und in den Tideflüssen zu Sturmfluten kommen. Bei Sturmflutwarnungen sind Informationen über die zeitliche Entwicklung der Windgeschwindigkeit sehr wichtig. Probabilistische Verfahren ermöglichen neuerdings qualitative Vorhersagen mit Vorlaufzeiten von mehr als 24 Stunden.